A/N: So, hier ist jetzt unser erster Beitrag der Remix-Challenge, die wir im Juni/Juli veranstaltet haben. Ein Remix ist eine Neuinterpretation eines bestehenden Originals, zu dem man die gleiche Geschichte aus der Perspektive eines anderen mitspielenden Charakters erzählt oder die Vor-/Nachgeschichte erzählt oder auf eine Szene eingeht, die irgendwie irgendwann im Original erwähnt wurde.
Herausgekommen sind dabei eine ganze Menge wirklich toller Sachen und wir hoffen, ihr habt daran genauso viel Spaß wie wir. Man kann jeden Remix auch verstehen, wenn man das Original nicht kennt, aber er wirkt einfach anders, wenn man das Original kennt, also solltet ihr, soweit ihr die Originale nicht kennt, erst die lesen und euch dann über den Remix hermachen.
Original: Ihr anderer Sohn von Trovia
Remix: Seine andere Familie von KitKat2006
September 1980
Ohne es selber zu bemerken fuhr Sirius sich durch die Haare und löste dadurch eine Welle halbunterdrückter Seufzer aus, die von der weiblichen Bevölkerung im Zeremoniensaal des Zaubereiministeriums kamen. Ebenso wenig bemerkte er die bewundernden Blicke die ihm zugeworfen wurden und die er sonst immer sehr genoss. Er wußte, dass er der fleischgewordene Frauentraum war und er nutzte dieses Wissen oft genug aus, um sich ein paar schöne Stunden mit einer von ihnen zu machen. Alles was er dafür tun mußte, war, der in Frage kommenden Frau einen verschmitztes Lächeln zuzuwerfen, diesem Lächeln ein paar schmeichelnde Worte folgen zu lassen und mit einem tiefen Blick aus seinen grauen Augen dafür zu sorgen, dass sie an alles andere dachten, nur nicht daran, dass sie eigentlich etwas anderes vorhatten. Seine Aurorenroben taten ihr übriges dazu und es war für ihn immer wieder faszinierend, was Uniformen für eine Wirkung auf das weibliche Geschlecht hatten. Und dabei hatte er bisher noch nicht mal die richtige Aurorenrobe getragen, sondern immer nur die der Rekruten, denen das typische Silber und das geschwungene Ministeriumswappen auf der Brust fehlte. Er hatte sich immer gefragt, wie seine Wirkung auf Frauen wohl war, wenn er diese Robe endlich tragen würde und er konnte den Tag nicht abwarten, an dem es soweit sein würde und er es ausprobieren konnte.
Doch als er sie schließlich zum ersten Mal anhatte, am Tag der offiziellen Vereidigung als vollwertiger Auror, waren seine Gedanken nur bei zwei ganz bestimmten Frauen. Und er wünschte sich nichts sehnlicher, als dass gerade diese Frauen ihn jetzt sehen könnten. Eine von ihnen würde mehr als nur stolz auf ihn sein, da war er sich absolut sicher. Und die andere würde toben, dass man es garantiert noch auf der Südhalbkugel hören konnte.
Auf seinem Gesicht erschien ein hochzufriedenes Grinsen. Ja, er hatte es geschafft, er war ein Auror. Der erste mit dem Namen Black und er wußte, mit seinem Insiderwissen über die schwarzmagischen Familien der Oberschicht war er ein gefürchteter Gegner für Familien wie die Blacks, Malfoys, Lestranges, Notts, Averys und Rosiers. Sie hatten einen der „ihren" an die Gegenseite verloren und dabei ahnten sie nicht mal, dass im Grunde genommen sie selber diejenigen waren, die ihn in diese Berufslaufbahn getrieben hatten. Sirius' Gedanken schweiften ab zu dem Tag, an dem er sich entschieden hatte ein Auror zu werden. Der Tag, an dem es zum endgültigen Bruch zwischen ihm und den Mitgliedern seiner Gesellschaftsschicht gekommen war.
April 1976
Sirius saß gelangweilt auf einem Stuhl, der so weit entfernt von seinem Vater war, wie nur irgendwie möglich. Sein Blick schweifte durch den großen Salon der Familie Black und er verfluchte die Tatsache, dass er gerade in diesem Augenblick keinen Kontakt mit James aufnehmen konnte. Sicher, er hatte den Zweiwegespiegel in seinem Zimmer im zweiten Stock, – gut versteckt zwischen den geerbten Socken seines Großonkels Pollux, damit niemand ihn zufällig fand – aber es würde auffallen, wenn er sich jetzt verdrücken würde, und irgendjemand würde ihn garantiert holen kommen. Bei seinem Glück würden sie Bellatrix hinter ihm herschicken und die war nun wirklich die letzte, die ihn bei einem Gespräch mit James belauschen sollte.
Es wäre eine so gute Gelegenheit für die Auroren eine ganze Menge Fahndungsfotos von ihren Bürowänden zu entfernen, da alles was in der schwarzmagischen Oberschicht Rang und Namen hatte, im Augenblick im Hause der Blacks anwesend war. Es galt den Geburtstag von Salazar Slytherin zu feiern. Die Tatsache, dass die Auroren um James' Mutter gar nicht hier eindringen konnten, da das Haus zu gut gesichert war, ignorierte er schlichtweg. Die Vorstellung, dass hier urplötzlich ein ganzes Einsatzkommando in schwarz-silber auftauchen könnte, war einfach zu schön, um durch solch profane Nebensächlichkeiten in Rauch und Nebel aufgelöst zu werden.
Ein leises Seufzen entfuhr Sirius und sorgte dafür, dass Severus Snape ihn mit einem undefinierbaren Blick ansah. Dass ausgerechnet dieser Schleimbolzen hier war, regte ihn innerlich am meisten auf, denn gerade vor ihm wollt er nicht als kleines Kind scheinen, das von seiner Familie ganz nach Lust und Laune rumgeschubst wurde. Er warf dem Slytherin einen giftigen Blick zu und setzte danach einen Blick auf, der ganz klar besagte, dass er hier der Erbe des Blackimperiums war und er sich nicht von einer dahergelaufenen, ungewaschenen Fledermaus die (nicht vorhandene) gute Laune verderben lassen würde. Snape sah ihn daraufhin noch verwirrter an und verzog sich in eine andere Ecke des black'schen Salons. Und Sirius wußte genau, dass dies ein sehr langer Tag werden würde.
Zwei Stunden später war seine Laune gänzlich auf dem Gefrierpunkt angekommen. Er war mehrfach mit Lucius Malfoy, Evan Rosier und Rodolphus Lestrange in ein Verbalduell verwickelt worden, dass nur deshalb nicht in ein handfestes Zaubererduell ausgebrochen war, weil alle das Temperament der Hausherrin fürchteten, die nicht zulassen würde, dass ihr Salon mit den kostbaren Möbeln und sonstigen Einrichtungsgegenständen in Schutt und Asche gelegt werden würde. Nun, alle bis auf Sirius fürchteten das Temperament der Hausherrin – im Gegensatz zu dem des Hausherrn. Ihm selber würde es dagegen sehr gefallen, wenn hier alles drunter und drüber gehen und seine Mutter der Schlag treffen würde, aber leider durfte er ja in den Ferien nicht zaubern, wenn er nicht einen Rauswurf von Hogwarts riskieren wollte. Und das wollte er auf keinen Fall, denn er brauchte eine vernünftige Ausbildung, wenn er irgendwann auf eigenen Beinen stehen und den Absprung aus dieser Welt schaffen wollte. Er wußte genau, dass er bisher nur durch Glück und einem Schlupfloch in den Gesetzbüchern diesem Rauswurf entgangen war. Klausel 7a, also das Recht auf Verteidigung, hatte ihm schon öfter den Hals gerettet als ihm selber lieb war. Doch er wußte, je älter er und die anderen wurden, desto schwieriger wurde es für ihn, sich nur mit Defensivzaubern zu verteidigen. Irgendwann würde er gezwungen sein, auch Offensivzauber zu verwenden, ob er wollte oder nicht und dann wäre er schneller aus Hogwarts raus, als er „Notwehr" sagen konnte. Also biß er die Zähne zusammen und versuchte so gut wie möglich die Versuche der anderen, allen voran seiner Familie, ihn aus der Reserve zu locken, zu ignorieren. Auch wenn es ihm von Jahr zu Jahr schwerer fiel.
Das Festmahl zu Ehren des „einzig wahren Gründers" schleppte sich für Sirius endlos dahin und dass er dabei ausgerechnet auf den Platz gegenüber von seinem Vater, also auf der zweiten Kopfseite der großen Tafel sitzen sollte, um ihm seinen richtigen Platz in der Gesellschaft klarzumachen, trug nicht unbedingt zur Verbesserung seiner Laune bei. Rechts neben ihm saß Narzissa, was zwangsläufig zur Folge hatte, dass Lucius Malfoy ebenfalls viel zu dicht bei ihm saß und seine rassistischen Weisheiten in die Runde warf. Sirius war mehrfach kurz davor, ihm seine Fischgabel entgegen zu schmeißen, aber er begnügte sich damit, lediglich die Faust einige Male zu ballen und finstere Blicke in die Runde zu werfen. Etwas, was Lucius nicht entging und was ihn dazu brachte, es immer weiter auf die Spitze zu treiben.
„Schlammblüter sollten wirklich nicht mehr in unsere Welt aufgenommen werden. Sie schwächen mit ihrem Blut nur unser magisches Erbe und sorgen am Ende dafür, dass dieses Erbe ganz verloren geht. Es sollte mehr darauf geachtet werden, dass nur die mit gutem Erbmaterial heiraten und Kinder bekommen dürfen. Schlammblütern sollte das gesetzlich verboten werden. Sie stehen nur eine Stufe über den Muggeln selber. Die sollten ganz ausgerottet werden. Schlammblüter kann man wenigstens noch benutzen, um ein wenig Spaß mit ihnen zu haben."
Breite Grinser breiteten sich auf den Gesichtern von Evan Rosier, Rodolphus Lestrange, Theodor Nott und zu Sirius' Verblüffung auch auf dem Gesicht von Regulus aus. Er wußte genau, worauf Lucius anspielte und dass sein nicht ganz 15-jähriger Bruder schon genauso niveaulos war und Muggelgeborene, speziell die Mädchen und Frauen, nur für zum „Spaß haben" akzeptierte, ließ ihn innerlich kurz vor dem Siedepunkt ankommen. Er warf Regulus einen Blick zu, den dieser nicht lange standhielt und konzentrierte sich dann wieder auf seinen Fisch, der ihm trotz seiner nicht gerade guten Laune hervorragend schmeckte. Unterdessen hatte Rodolphus das reden übernommen.
„Wie war denn die kleine Blonde, mit der du letzte Nacht „Spaß" hattest? Lohnt es sich, dass ich sie auch mal besuche?"
„Nun, wenn du darauf stehst, dass sie dich ängstlich ansieht und bettelt, solltest du sie besuchen, Rodolphus. Wenn du sie erstmal überzeugt hast, dass sie keine großen Wahlmöglichkeiten hat, tut sie alles, was du von ihr willst und von der lieben Bella nicht bekommst. Und sie scheint auch selber noch Spaß daran zu haben."
Lucius warf Bellatrix einen verschmitzten Blick zu, den diese gelassen zurückgab. Es interessierte sie nicht sonderlich, was Rodolphus mit den Muggelgeborenen, oder um in ihren Worten zu sprechen, mit den Schlammblütern tat, solange er sie mit seinen teils extremen Neigungen in Ruhe ließ. Sie hatte es nicht nötig, schließlich war sie eine Reinblüterin, die ihre Ahnen bis zu Zeiten Salazar Slytherins zurückverfolgen konnte.
„Nun, dazu sind sie schließlich da, Lucius. Damit ihr Männer euren Spaß habt.", antwortete sie ihm schließlich gelassen und nahm einen Schluck von dem sündhaft teuren französischen Weißwein, den Sirius' Eltern zur Feier des Tages von den Hauselfen servieren ließen.
„Und für uns haben sie schließlich auch einen praktischen Nutzen, Bella.", meinte Ariana Greengrass, die Freundin von Evan Rosier schmunzelnd. „Mein Crutiatus ist durch ihre „freiwillige Mitarbeit"absolut perfekt geworden."
„Ja, Bellas auch.", stimmte Rodolphus ihr zu und warf seiner Freundin einen stolzen Blick zu, woraufhin sich Sirius' Griff um seine Fischgabel noch mehr festigte und er den Fisch recht rücksichtslos zerhackte. Rodolphus entging dies nicht und er sprach mit einem leichten Seitenblick zu Sirius Lucius wieder an.
„Und welche von ihnen nimmst du dir als nächstes vor? Hast du schon eine bestimmte im Auge?"
„Eigentlich habe ich schon eine ganze Weile eine im Auge.", antwortete Lucius und warf ebenfalls einen versteckten Blick in Richtung Sirius. „Aber ich glaube nicht, dass ich an die so schnell rankommen werde. Sie geht noch nach Hogwarts, aber ich kann warten. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben."
„Und welche meinst du?", fragte Bellatrix nicht ganz interessiert. Eigentlich fragte sie nur, da sie merkte, dass die zwei jungen Männer Sirius mit diesem Gespräch aus der Reserve locken wollten. Und Sirius zum Explodieren zu bringen war in den letzten paar Jahren ihr liebstes Hobby geworden.
„Naja, Bella. Ich dachte da an diese kleine Rothaarige aus Gryffindor. Ich mag feurige Frauen im Bett."
„Du meinst die, die diesen dämlichen Potter immer wieder abblitzen läßt? Diese Evans?"
„Genau die meine ich.", antwortete Lucius und sah Bellatrix breit lächelnd an, was dazu führte, dass er Sirius gänzlich ignorierte. Dieser ließ allerdings nach diesen Worten sein Besteck mit einem Klirren auf seinen Teller fallen und warf Lucius mörderische Blicke zu, was nun auch die Aufmerksamkeit der älteren Gäste auf das Ende der Tafel richtete, an dem die jungen Leute saßen.
„Wage es ja nicht, Lily anzurühren, Lucius, sonst...". Doch weiter kam Sirius gar nicht, da Lucius sich jetzt wieder zu ihm umgedreht hatte und ihm ins Wort gefallen war.
„Sonst was, Sirius? Willst du mir etwa drohen? Stehst du etwa selber auf die kleine Evans, hm? Weiß Potter, dass du seine Angebetete gerne selber flachlegen willst?"
Sirius brauchte seine ganz Selbstbeherrschung um nicht seinen Zauberstab zu ziehen und ihn auf Lucius zu richten. Denn auch wenn er in den Ferien nicht zaubern durfte hatte er ihn grundsätzlich immer dabei. Er wußte schließlich nie, wann er sich verteidigen mußte. Selbst, oder gerade wenn, er in seinem Elternhaus war. Und schließlich kannte er sich aus mit Klausel 7a.
„Ich bringe dich um, wenn du sie anrührst, Lucius.", knurrte Sirius und funkelte ihn an. „Und du kannst mir glauben, ich kenne einige sehr schmerzhafte Methoden, um dich ins Jenseits zu befördern."
„Daran zweifle ich nicht, Sirius. Diese Methoden kennen wir schließlich alle, da sie uns allen schon mit der Muttermilch eingetrichtert wurden. Was mich allerdings wirklich wundern würde, wäre, wenn du sie wirklich anwenden würdest."
„Ich wende sie mit dem größten Vergnügen an, wenn ich dich damit dauerhaft loswerden könnte. Ein Malfoy weniger würde die Welt um Welten besser machen."
„DAS REICHT, SIRIUS!", donnerte in diesem Moment sein Vater vom anderen Ende des Tisches los und sah Sirius warnend an. „Ich werde nicht zulassen, wie du an Salazars Ehrentag ein kleines Schlammblut verteidigst. Du bist schon eine Schande genug für uns alle. Wage es ja nicht, diesen Tag zu entehren. Lucius ist schließlich im Recht."
Sirius sah seinen Vater wütend an, doch er wußte gleichzeitig, dass er es nicht drauf anlegen sollte, ihn noch mehr zu reizen. Er würde nicht zögern seinen Zauberstab zu benutzen, um ihn zu disziplinieren. Schließlich war er ein erwachsener Mann und durfte ihn somit uneingeschränkt benutzten. Zwar war der Salon voller Gäste, aber auf deren Hilfe konnte er nicht hoffen, denn sie würden alle auf der Seite seines Vaters stehen. Schließlich benahm sich Sirius keinesfalls seinem Rang und seinem Blut entsprechen und hatte eine Disziplinierung durch seinen Vater mehr als nur verdient.
Langsam sank Sirius wieder auf seinen Stuhl zurück, von dem er völlig unbewußt aufgesprungen war, als er Lucius Malfoy angefahren hatte, doch er hielt weiterhin den Blick auf seinen Vater gerichtet. Ganz geschlagen geben wollte er sich schließlich nicht. Immerhin hatte er auch seinen Stolz und er wußte, dass er im Recht war und nicht Lucius Malfoy. Das letzte was er zulassen würde, war, dass Lily etwas geschah. James ihm nie verzeihen, wenn er erfuhr, dass Sirius vorher von dieser Gefahr für seine Lily gewußt und nichts getan hatte, um es zu verhindern. Und er selber würde es sich auch nicht verzeihen, da er genau verstehen konnte, was James an Lily so anziehend fand. Wäre dieser nicht sein bester Freund, und hätte er nicht so eine völlig verrückte Familie, würde er sich im Kampf um Lily Evans Herz wohl nicht so zurückhalten, wie er es jetzt tat.
„Ich kriege die Evans. Verlaß dich drauf.", raunte Lucius ihm leise zu.
„Nur über meine Leiche.", knurrte Sirius gepresst zurück.
„Das läßt sich arrangieren."
Sirius sah auf und sah in Lucius Augen, dass dieser es mit dieser Antwort bitterernst meinte. Er kniff die Augen halb zu und sah Lucius giftig an, doch bevor er etwas darauf erwidern konnte, war sein Vater aufgestanden und hielt sein Weinglas in der Hand, um den obligatorischen Toast auf Salazar Slytherin zu sprechen.
„Meine lieben Freunde. Es ist an der Zeit, unser Glas auf Salazar Slytherin zu heben und ihn zu ehren, wie es ihm gebührt. Er hat schon vor fast 1000 Jahren erkannt, wohin es einmal führen wird, wenn man keine klaren Grenzen bei der Aufnahme in Hogwarts setzt. Wenn er sehen könnte, wie es heute in den Hallen zugeht, die er einst selber durchschritten hat, würde er sich im Grab umdrehen. Die Schwächung des magischen Erbes durch Schlammblüter oder gar Muggel ist in all den Jahren geradezu explodiert. Deshalb ist es die Aufgabe derer, die in seinem altehrwürdigem Haus ihre Schulzeit verbracht haben, dieser Schwächung Einhalt zu gebieten und seine Werte durchzusetzen. Eine Aufgabe, die wir alle mit Stolz und Engagement übernehmen und bei der wir nicht versagen werden. Laßt uns deshalb unser Glas erheben und auf unser aller Hauspatron trinken. Auf Salazar Slytherin."
„Auf Salazar Slytherin.", kam es im Chor zum Gastgeber zurück. Alle waren inzwischen aufgestanden und hielten ihr Glas erhoben, um auf Salazar Slytherin zu trinken, der an diesem Tag vor etwas mehr als 1000 Jahren geboren worden war. Einzig und alleine Sirius saß noch und starrte stumm auf seinen Teller.
„Sirius?!", kam die leise, warnende Stimme von seinem Vater. Sirius war klar, dass von ihm erwartet wurde, dass auch er auf Salazar Slytherin trank, aber er wußte, dass er dies nie im Leben tun würde. Nicht dieses Jahr. Bislang hatte er es immer um des lieben Friedens willen getan, aber damit war nun Schluß, auch wenn er hier gerade eine Katastrophe heraufbeschwor.
Langsam erhob er sich von seinem Stuhl und griff nach seinem Weinglas. Er wußte später nicht, was ihn dazu geritten hatte, es zu tun. War es das kleine Verbalduell mit Malfoy und die Drohung gegen Lily? Oder sein Vater, der ihn drohend ansah? War es jugendliche Rebellion, die endlich einen Weg an die Oberfläche suchte und gefunden hatte? Oder war es die Tatsache, dass sein Blick gerade in dem Moment auf die Stelle im Stammbaum des führnehmen und gar alten Haus der Blacks fiel, an der bis vor ein paar Jahren noch der Name „Andromeda" stand und jetzt nur ein großer Brandfleck zu sehen war, weil sie es gewagt hatte, ein Muggelstämmigen zu heiraten und mit diesem auch noch ein Kind zu bekommen? Er wußte es nicht, aber was er wußte, war, dass er es jederzeit wieder tun würde, denn die Zufriedenheit, die er danach fühlte und die entgeisterten Gesichter der versammelten schwarzmagischen Oberschicht Großbritanniens, waren etwas, woran er sich für immer erinnern würde.
„Auf Godric Gryffindor!", sagte er mit einer Ruhe, die er nicht wirklich verspürte. Er sah seinem Vater geradewegs in die Augen, der ihn wie vom Donner gerührt ansah, und trank sein Glas in einem Zug leer.
Anderthalb unheilvolle Minuten war es totenstill im Salon der Blacks, als Vater und Sohn ein stummes Blickduell auskämpften, doch dann schien es, als würde die Welt aus den Angeln gehoben. Sirius flog wie ein Geschoss rückwärts gegen die Westwand des Salons und das Geräusch, dass bei seiner Landung zu hören war, sorgte dafür, dass vor allem die Frauen sich angeekelt wegdrehten und versuchten, sich nicht zu übergeben.
Mit einem nicht ganz unterdrückbaren Stöhnen drückte Sirius sich wieder an der Wand hoch und sah seinem Vater entgegen, der auf ihn zuging. Der Griff um seinen Zauberstab, der sich irgendwie in seine Hand verirrt hatte, wurde fester und er schätzte schnell die Entfernung zur Tür ab. Er fluchte stumm. Es war zu weit, um hier ohne einen Defensivzauber rauszukommen, was bedeuten würde, dass das Ministerium wieder mal erfahren würde, dass er unerlaubt Magie benutzte. Wie oft durfte er sich eigentlich auf Klausel 7a berufen? Gab es da eine Mindestanzahl, die man gut hatte, bevor es auch deswegen Ärger gab? Wenn ja, stand er inzwischen ganz kurz vor eben dieser Grenze.
„Heute...ist einer...der höchsten Feiertage...für die reinblütige magische Gesellschaft.", kam es mühsam beherrscht von seinem Vater, als dieser fast bei ihm war. „Und ich dulde es nicht, dass ausgerechnet einer meiner Söhne ihn mit einer kleinen Teenagerrebellionen entehrt. Du wirst jetzt dein Glas nehmen und es auf das Wohl Salazar Slytherins heben. Haben wir uns verstanden?"
Trotzig reckte Sirius das Kinn und hielt den Blick stand. Er wußte selber, dass das hier Wahnsinn war, dass er sich in einem Raum voller mächtiger Schwarzmagier und Slytherins befand und eigentlich nur verlieren konnte. Doch er war auch nicht umsonst ein Gryffindor. Er war mutig, und was sein Vater eine „kleine Teenagerrebellion" nannte, war nichts anderes, als seine Art das Leben zu leben. Das hatte nichts mit kindischen Rebellionen und dem Austesten von Grenzen zu tun. Sein Griff um den Zauberstab festigte sich noch weiter und das Ministerium konnte ihn im Moment mal gepflegt an seinem reinblütigen Hinterteil vorbeigehen. Dies hier würde nicht ohne eine weitere Verwarnung vorbeigeben und es war ihm zumindest in diesem Augenblick vollkommen egal.
„Nein.", Ein einziges Wort, aber es hatte ausgereicht, um einen der größten Fauxpas in der magischen Oberschicht zu begehen. Man widersprach seinem Vater nicht, erst recht nicht, wenn man in Gesellschaft anderer hochangesehener Reinblüter war. Sirius wußte, dass sein Vater kurz vor dem Explodieren stand, doch zumindest kurzfristig hatte er ihn aus dem Konzept gebracht und das war ein unglaublich zufriedenstellendes Gefühl.
„Imperio" Hätte er es gekonnt, hätte er sich für seine Unachtsamkeit in den Hintern getreten, doch für Sirius war die Welt auf einmal herrlich einfach. In seinem Kopf und seinem Körper machte sich eine Leichtigkeit breit, die ihn dazu brachte, daran zu glauben, dass Menschen doch nur die Arme ausbreiten mußten, um fliegen zu können.
„Nimm dein Glas." Ja, natürlich. Warum sollte er es denn auch nicht tun? Schließlich befand sich sehr guter Wein in dem Glas. Was war schon dabei, einen Schluck davon zu trinken? Sirius griff ohne zu zögern nach dem Glas. Sein Blick schweifte abwesend durch den Raum und er bemerkte, dass er im Mittelpunkt des Interesses stand. Nun, war das nicht schön? Wer steht nicht gerne im Mittelpunkt? In Ordnung, es gab sicherlich einige, die das nicht gerne taten, aber Sirius gehörte nicht dazu. Er liebte es, im Mittelpunkt zu stehen. „Und jetzt erhebe es auf Salazar Slytherin." OK, von ihm aus auch auf den General der letzten Koboldaufstände. Es war schließlich nichts dabei, jemanden zu ehren, der Großes getan hatte, oder? Langsam hob er das Glas an die Lippen.
Links neben ihm bewegte sich was und Sirius Blick schweifte zu dieser Bewegung rüber. Ah ja, da saß ja Bellatrix. Ihrem Gesichtsausdruck nach schien sie sich sehr zu langweilen. Vielleicht zog sie sich deshalb auch ihren Lippenstift nach. Sie hatte zumindest nur Augen für ihren kleinen Spiegel...Spiegel?...Er hatte auch einen Spiegel...irgendwo oben in seinem Zimmer...versteckt in alten, geerbten Socken von Großonkel Pollux...James! Damit konnte er James erreichen. Sirius blinzelte verwirrt. „TRINK!". Das Glas in seiner Hand zitterte. Nein, er wollte nicht trinken. Er wollte hier weg, zu James. „Sirius, trin...".
Ein Knall unterbrach seinen Vater und mit einem mal konnte Sirius wieder klar denken. Er hatte sein Weinglas mit Schwung umgedreht und auf den Tisch geknallt. Der sündhaft teure Weißwein versickerte in der Tischdecke und tropfte von dort aus weiter auf den Salonteppich.
„NEIN! Ich werde nicht auf jemanden trinken, der..."
„Imperio"
„Protego"
Reflexartig hob Sirius den Zauberstab und wehrte diesmal den Imperiusfluch rechtzeitig ab. Dieser wurde von seinem Schild abgelenkt und schlug mit einem Krachen in Bellatrix' Taschenspiegel ein, der daraufhin in einem Scherbenregen zerbarst. Sirius hätte sich darüber köstlich amüsiert, hätte er dafür Augen gehabt, aber er war schon mit einem Satz nach links gesprungen, wobei er erfolgreich den Tisch, Rodolphus und Narzissa zwischen sich und seinen Vater gebracht hatte.
„Imperio"
Der Fluch verfehlte Sirius nur knapp, als er hinter Rodolphus weg Richtung Tür hechtete. Im Im Laufen schoss er einen Protego hinter sich und wehrte somit einen Fluch ab, den er nicht kannte und sicher auch nicht kennen lernen wollte. Der dunkellila Lichtblitz sah auch so schon unheilvoll genug aus. Kurz bevor er die Tür aufriss sah er sich noch einmal um und verfluchte sich gleich darauf im Stillen dafür, denn so sah er nicht, dass Kreacher hinter ihm stand und purzelte regelrecht über ihn. Er hörte schon die ersten Silben des nächsten Fluchs aus dem Mund seines Vaters kommen und handelte ohne lange nachzudenken.
„Spissigradus"
Der gelbe Lichtblitz traf seinen Vater frontal in der Brust und verlangsamte im selben Moment seine Bewegungen extrem. Dies gab Sirius genug Zeit, um sich aufzurappeln und aus der Tür zu stürmen. Er durchquerte die Halle und rannte die Treppen hinauf, doch als er auf Höhe des ersten Treppenabsatzes war, apparierte sein Vater direkt vor ihn und schnitt ihm den Weg ab.
„Ich sage es nur einmal, Sirius.", meinte er in einem ruhigen Ton, der nicht über die Gefahr hinwegtäuschen konnte, die Sirius' Vater in diesem Moment ausstrahlte. „Geh.zurück.in.den.Salon." Doch Sirius dachte gar nicht daran. Er wußte, es gab kein Zurück. Nicht diesmal. Nicht, wenn er gerade seinen Vater vor der gesamten schwarzmagischen Aristokratie mit seinem offenen Widerspruch in Grund und Boden blamiert hat. Aber bleiben konnte er hier auch nicht länger, denn wenn ihn sein Vater ernsthaft zu fassen bekam, würde es für ihn ziemlich gewaltige Konsequenzen haben. Er mußte hier weg. Er mußte an den einzigen Ort, der für ihn im Moment Sicherheit bedeutete. Zu James.
Und deshalb hob er den Zauberstab und handelte und er pfiff auf Klausel 7a, denn die konnte ihn jetzt auch nicht mehr retten. Das hatte der Lähmfluch schon zunichte gemacht, den er im Salon auf seinen Vater losgelassen hatte. Wenn er Glück hatte, flog er nur aus Hogwarts raus, wenn er Pech hatte, sah er Askaban von innen. Doch was auch immer die Konsequenzen waren, alles war besser als hier zu bleiben.
„Picarus"
Ein Aufschrei, ein Krachen und der Weg war frei. Sirius stürmte die Treppe zu seinem Zimmer weiter hinauf, schlug die Tür zu, schob seinen Schreibtisch vor die Tür und warf in fliegender Hast so viele Sachen wie möglich in seinen großen Hogwartskoffer. Unten im Haus konnte er jetzt Lärm hören, der wahrscheinlich von den Gästen kam, die aus dem Salon kamen, um zu sehen, was auf der Treppe los war, aber Sirius hörte das nur mit halbem Ohr. Ihn interessierte nur, dass er so schnell wie möglich hier weg kam, bevor irgendjemand in sein Zimmer kam.
Viereinhalb Minuten später hatte Sirius seine wichtigsten Sachen im Koffer verstaut, ihn hinten an den Besen gebunden, das Fenster geöffnet und war in die Nacht hinaus verschwunden. Sein Ziel hieß James, der Sicherheit versprach. Und seine Eltern, die die Macht hatten, etwas zu tun. Vor allem James' Mutter. Schließlich war sie nicht umsonst Aurorin.
Und während er hoch über London seinem besten Freund entgegen flog, wurde ihm eins mit einem mal absolut klar. Er wollte nie wieder so hilflos und verletzlich sein wie gerade eben. Und er wollte, dass auch andere nie so hilflos und verletzlich waren. Er wollte sich und andere davor bewahren. Und der beste Weg, um dies zu erreichen, war, indem er Auror wurde. Und er würde einer werden. Einer der besten, den die Aurorenzentrale seit langem gesehen hatte. Das schwor er sich, so wahr er Sirius Black hieß.
September 1980
Sirius sah die Ereignisse dieser Nacht so klar vor Augen, als wären sie erst gestern und nicht vor über vier Jahren gewesen. Es war sein privater Tiefpunkt gewesen, er hatte eine Brücke hinter sich abgebrochen, die er nie wieder aufbauen konnte. Und egal wie sehr er auch versuchte es zu ignorieren, es gab Momente in seinem Leben, in denen er um sein verlorenes Elternhaus trauerte. Ein Elternhaus, in dem er einfach nur geliebt oder zumindest akzeptiert werde wollte, genau so wie er war.
Dieses Gefühl hatte er in James' Elternhaus gefunden, auch wenn es erst nicht so aussah. Sein plötzliches Auftauchen mitten in der Nacht hatte zu allerlei Verwirrung und einer lautstarken Diskussion zwischen James und Tobias Potter geführt. Er wußte, James war in diesem Moment sein Bruder und nicht sein bester Freund. Ein Bruder, der für den anderen einstand und ihm den Rücken stärkte, wenn dieser auf ihn angewiesen war. Der die Kämpfe kämpfte, für die man selber in dem Moment zu schwach war. Tobias Potter hatte nicht so einfach zustimmen wollen, dass Sirius blieb, was irgendwie auch verständlich war, denn schließlich war Sirius nicht sein Sohn und er konnte nicht einfach so über ihn bestimmen. Doch dann war Jepedina aufgetaucht und hatte mit ein paar Worten alle Bedenken Tobias' vom Tisch gefegt. Sirius war da, Sirius würde bleiben. Und für Sirius war sie in diesem Moment seine absolute Heldin gewesen.
Sein Blick wanderte zu dem riesigen Merlin-Portrait an der Stirnseite des Zeremoniensaals rüber und fing dessen Blick ein.
„Paß auf meine Mum auf.", flüsterte er leise und er hatte kurzfristig das Gefühl, als ob Merlin ihn gehört hätte, denn er blinzelte ihm zu. „Und sage ihr, dass sie für immer meine Heldin bleiben wird und ich alles tun werde, damit sie stolz auf mich ist. Ich werde sie nicht enttäuschen."
Nein, er würde sie nicht enttäuschen. Genauso wenig wie James und Tobias, die in einer der ersten Reihen vor dem Podium saßen, auf dem die Rekruten vereidigt wurden. Er wollte, dass seine Familie stolz auf ihn war. Und dies war seine Familie. Seine andere Familie.
A/N: Sowohl Original- wie auch Remixautorin würden sich über eure Meinung freuen und die anderen Rumtreiberinnen erwarten diese ebenso mit Spannung. Also kitzelt doch ruhig den netten, kleinen Button da unten links ein wenig. Er beißt nicht.
Als nächstes dürft ihr euch auf "Bills Lauschangriff" von Zauberfee freuen. Ein Remix zum Original "Die Nacht vor der Hochzeit" von Mariacharly.