Was länge währt, wird gut,...hoffe ich. Sorry für das fast einjähringe Warten, aber ich bin fest entschlossen, diese Story bis zum Ende durch zu ziehen! Versprochen!

So, und nun geht's weiter!



Der Racheengel

Kapitel 44

Früher Morgen, Palast

Der Führungsstab der Allianz hatte schnell auf Kimeas Nachricht reagiert. Es erschien ihnen ungewöhnlich, dass der Imperator um ein persönliches Gespräch bat. Ein Kontaktoffizier hatte sie benachrichtigt, dass Senatorin Mothma einverstanden sei, mit Palpatine zu sprechen. Zuvor jedoch, so der Kontaktoffizier, wolle Mon Mothma mit der Beraterin Kontakt aufnehmen; zum einen, um Näheres zu erfahren, zum anderen, um einen konkreten Termin abzusprechen. Sie antwortete dem Kontaktoffizier, dass sie noch am heutigen Abend mit Mothma sprechen könne oder werde.

Sollte ich ihm bereits mitteilen, dass Mon durchaus interessiert wäre? Oder sollte ich damit besser warten, bis sie wirklich zugesagt hat?

Sie blickte zu ihrem Chrono neben dem Comdisplay, das in ihrem Schreibtisch integriert war. Es war in der Tat noch sehr früh.

Sie hatte nicht besonders gut schlafen können in der letzten Nacht und irgendwann war sie noch vor dem Morgengrauen aufgewacht. Nach einem kurzen, erfolglosen Versuch erneut einzuschlafen, war sie dann aufgestanden, hatte etwas meditiert, gefrühstückt und sich schließlich auf den Weg in ihr Büro gemacht.

Alles hatte noch geschlafen. Niemand war unterwegs gewesen. Selbst in Pestages Büro war es noch ruhig.

Vorsichtig suchte sie in der Macht den Imperator. Ganz vorsichtig. Er sollte nicht mitbekommen, dass sie nach ihm griff. Er war kaum fühlbar, aber er versteckte sich gleichfalls auch nicht.

Er schläft noch…?! Tatsächlich…

Sie ging ihre Nachrichten auf ihrem Com durch, beantwortete sie, falls dies erwünscht war oder vergab Termine. Ihr Terminkalender war zwar einigermaßen gut gebucht, doch allzu viele scheuten noch, offen mit ihr Kontakt aufzunehmen…wenn es um die Allianz ging. Andere jedoch gingen mittlerweile einfach auf sie zu.

Es gab Tage, da fragte sie sich ernsthaft, wie sie Palpatines Angebot nur hatte annehmen können. Sie musste ständig auf der Hut sein, konnte niemanden trauen und hatte langsam aber sicher das Gefühl, paranoid zu werden. Neulich hatte sie mehrfach ihr komplettes Büro nach Wanzen durchforstet, zuhause dann noch ihre privaten Räumlichkeiten. Und das, nachdem sie erst seit wenigen Wochen dabei war.

Wie aber würde ihr Verhalten in einem Jahr sein? Oder in einem Jahrzehnt?

Sie hatte Geschichten von vergifteten Lebensmitteln und Getränken gehört, von Anschlägen und Überfällen,…Pestage, Doriana und die anderen erzählten durchaus bei Tisch, was sie schon alles erlebt hatten. Da wurde ihr beim einen oder anderem Male doch schon anders. Sich einzubilden, dass ihr keine Gefahr von irgendwem drohte, war leichtsinnig wie auch unrealistisch.

Spätestens seit dem Zeitpunkt, an dem sie sich Palpatine zu erkennen gegeben hatte, pries sie ihre wunden Punkte an. Und zwar alle, ohne Ausnahme. Sie war angreifbar und verletzbar.

Zwar war sie eine Jedi, aber das machte sich auf gar keinen Fall unbesiegbar. Viele wussten nichts von ihrer Herkunft, und darüber war sie auch außerordentlich dankbar, denn so mancher schenkte Palpatines Lügengeschichten über die Jedi Glauben. Sie schwieg.

Ich hätte gehen sollen, als ich noch die Change dazu gehabt habe!

Unnütz, jetzt noch darüber nach zu denken. Es war vorbei, ihre Chance vertan. Jetzt galt es, die Ohren steif zu halten, Scheuklappen aufzusetzen und mit dem Kopf voran durch die Wand zu rennen.


Palpatines Schafzimmer

Nein…

Nein…

Nein…

Sein Kopf dröhnte und hämmerte. Er hatte mitten in der Nacht Schlaftabletten genommen, um wenigstens heute Nacht schlafen zu können. Die Folge war ein ausgereifter Kater, der ihm gründlich die Laune verdarb.

Sonnenstrahlen fielen durch die Abdunklung seines Schlafzimmers und erhellten den Raum, tauchten alles in ein sanftes, nahezu warmes Licht. Nur langsam gelang es ihm, seinen ausgelaugten, ausgemergelten Körper in eine sitzende Position zu bringen.

Schließlich schleppte er sich in sein Bad, wusch sich und kleidete sich an.

Er besah sich im Esszimmer sein Frühstück, rückte es auf dem Teller hin und her und schob es dann von sich. Sein Appetit hatte sich noch nicht wieder richtig eingestellt. Ein tiefes Seufzen, nahezu traurig, entglitt ihm. Vielleicht wäre eine Kopfschmerztablette doch nicht verkehrt.

Langsam schlurfte er zurück in seine Gemächer, ins Bad. Er konnte sich beim besten Willen nicht daran erinnern, wo und ob er überhaupt Kopfschmerztabletten besaß. Den Mediker wollte er wegen solch einer Kleinigkeit, einer Nichtigkeit nicht belästigen. Er durchsuchte seine Schränke, wurde allerdings nicht fündig.

Dann eben nicht.

Es war an der Zeit, den Tag zu beginnen. Wie alle Tage zuvor. Seine Korrespondenz stand an. Das Problem „Taanab" musste gelöst werden. Ob er Kimea darauf ansprechen sollte?

Besser nicht, oder?

Der Gang in sein Arbeitszimmer kam ihm merkwürdig lang vor, wollte einfach nicht enden. Wie in Zeitlupe. Er stützte sich auf seinen Stock, machte schließlich kurz Rast. Atmete ein und aus. Dann ging er weiter.

Eigentlich wollte er nicht in sein Arbeitszimmer, sein Büro. Er hatte das unbändige Verlangen, zurück in sein Bett zu kriechen, die Decke über seinen Kopf zu ziehen und den Tag abzuwarten.

Ein Blick auf seinen Schreibtisch ließ sein Verlangen zu einer äußerst attraktiven Alternative heranwachsen. Er ließ sich nieder, griff nach dem ersten Blatt des Stapels und legte es vor sich. Gleichzeitig hörte er die Nachrichten seiner Comeinheit ab, notierte sich dabei, wem er oder ob er überhaupt antworten musste.

Eine Nachricht war von Kenobi. Sie hatte Antwort von Mothma erhalten, oder von einem Verbindungsoffizier. Es gab durchaus Interesse an Gesprächen. Wie sie weiter verfahren würden; er solle einen Vorschlag machen, einen Termin nennen, einen Ort.

„Sate?", er drückte den Schalter seines Sessels, der ihn direkt mit dem Büro seines Beraters und Sekretärs verband.

„Ja?"

„Ich brauche meinen aktuellen Terminplaner; sofort!"

„Natürlich."

Er ließ sich in seinen Sessel sinken, schloss für einen Moment die Augen und sammelte seine Gedanken. Er würde Kimea einige Termine nennen, an denen ein Treffen mit der Führung der Allianz stattfinden könnte. Die Wahl des Ortes würde er der Allianz überlassen.

Pestage betrat sein Arbeitszimmer schnellen Schrittes, in der Hand ein DataPad mit der aktuellen, täglich überarbeiteten Terminplanung der nächsten Monate.

„Lassen sich irgendwann ein paar Tage...nun…"

„Darf ich fragen, wie viele Tage und wofür?"

„Wie viele Tage kann ich dir nicht beantworten; wofür, nun, ich habe Kenobi gebeten, mit Mothma Kontakt aufzunehmen und nach dem Interesse an Gesprächen anzufragen."

„Du hast was?"

„Mit der Allianz Kontakt aufgenommen. Wozu, glaubst du, habe ich Kenobi eingestellt? Damit sie mir schöne Augen macht?"

Ich bezweifle, dass das jemals der Fall sein würde. Kenobi ist anders,...als…nun…

„Also war das mit dem Zuständigkeitsbereich der Allianz tatsächlich Ernst gemeint!", antwortete der Großwesir fast sprachlos, „Ich nahm an, du wolltest sie umdrehen, als Spitzel benutzen."

„Kenobi umdrehen? Das Mädchen hat die Säuberungen miterlebt! Sie ist eine Jedi. Da stehen meine Chancen mehr als schlecht! Sie wird niemals überhaupt nur in Erwägung ziehen, etwas für das Imperium und gegen die Allianz zu unternehmen; sie würde ihnen niemals schaden wollen."

„Und dennoch duldest du sie in deiner Nähe? Weshalb?"

Palpatine zuckte mit den Schultern: „Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht! Ich weiß es wirklich nicht."

"Dann solltest du es herausfinden! Und das, bevor sie zu einer möglichen Bedrohung werden könnte."