„Jetzt wach doch endlich auf! Sirius!" James schüttelte ihn heftig und schrie ihm so lange ins Ohr, bis er sich schließlich grummelnd erhob. Diesmal erinnerte er sich auch noch in allen Einzelheiten an den Traum, genoss es. Sobald Snape den Gegentrank gebraut hatte, wäre alles vergeben und vergessen. Warum sich dem also nicht einfach ergeben und genießen, anstatt sich das Leben künstlich zur Hölle zu machen? Und jetzt war er gerade dabei gewesen, seinen Traum in vollen Zügen zu genießen, als James auf die tolle Idee kommen musste, ihn wecken zu wollen. Weshalb eigentlich?
Verwirrt blinzelte er, sah James Gesicht über sich und verspürte den brennenden Wunsch, hineinzuschlagen. „Es ist Samstag." Ein tiefes Knurren drang aus seiner Kehle. „Weshalb weckst du mich?"
„Erstens: Es ist fast Mittag. Zweitens: Du machst gleich dein Bett schmutzig. Drittens: Du kuschelst mit meinem Tarnumhang!"
Etwas perplex starrte Sirius auf den Stoff in seinen Händen und drückte ihn dann James in die Hand und schwang die Beine aus dem Bett. Er war noch angezogen. Irgendwie erinnerte er sich gar nicht mehr, wie er überhaupt in sein Bett gekommen war.
„Gehen wir nachher nach Hogsmeade, James?" Sich am Kopf kratzend tappste Sirius nach Richtung Duschen. Er sollte sich wirklich dieses Problems entledigen. Kurzes Schielen nach unten. Ob das jetzt wohl zu einem Dauerzustand wurde?
„Äh…eigentlich wollte ich mit Evans gehen."
„Na, auch gut. Versau's nicht wieder." Er schloss die Tür und schlüpfte aus den Kleidern.
„Ich wollte dann eigentlich auch schon los. Such dir doch auch mal ne' hübsche Begleitung."
„Hmhm…."
OoO
Es brauchte seine Zeit, bis Severus sich wieder auf das Buch konzentrieren konnte. Was hatte er eigentlich gerade gesagt? Irgendetwas um Black nicht ansehen zu müssen. Er hatte sein Gesicht ja ohnehin die ganze Zeit vor Augen. Was war es denn gewesen, dass ihn aus dem Bett getrieben hatte? Bestimmt nicht Malfoy, der mal wieder im Schlaf vor sich hin gemurmelt hatte. Etwas, dass er in letzter Zeit immer öfter tat und nie waren die genauen Worte zu verstehen.
Nein, ihn verfolgten graue Augen, hohe Wangenknochen und schwungvoll gebogene Lippen, zwischen denen sich einen Strähne schwarzen Haares verfangen hatte. Seine Hände hatten angefangen zu zittern und das Bauchkribbeln war stetig gewachsen. Wer konnte bei so was auch schlafen?
Irgendwann war er aufgestanden und hatte sich nach oben, zur Bibliothek geschlichen, um sich abzulenken. Und gerade, als er es geschafft hatte, haargenau in diesem einen, friedlichen Augenblick war ein gewisser Gryffindor in die Bibliothek geplatzt. Severus hatte ihn gespürt, seinen Blick auf der Haut. Er hatte sich so bemüht, ihn nicht anzusehen, aber allein seine Stimme hatte ihm Schauer über den Rücken gejagt und dann hatte er ihn doch angesehen. „Gott! Wie konntest du einem Menschen nur so ein perfektes Gesicht geben?" Er verbarg sein eigenes stöhnend in den Armen. Warum er? Warum musste Weasley ihn ausgerechnet auf Black ansetzten? Warum nicht auf seinen Neffen oder einen der anderen Looser? Da hätte er sich wenigstens nicht so minderwertig fühlen müssen.
Mühsam konzentrierte er sich auf das Buch, überflog Titel, Beschreibung und Rezept des Zaubertrankes. Er wusste nicht einmal, in welchem Buch der Vielsafttrank stand. Hatte er Black wirklich auf die selbe Stunde morgen Nacht hier her gebeten? Um ihm Unterricht zu geben? War er des Lebens denn jetzt vollkommen überdrüssig geworden? Er sah es ja direkt schon vor sich, wie er Blacks Hand ergriff, um ihm die Bewegung zu zeigen und dann, von der Wirkung des Zaubertrankes überwältigt…er schüttelte sich. Black würde ihn umbringen…Spätestens dann, wenn er das Gegengift intus hatte. Wer weiß, vielleicht würde er auch Selbstmord begehen, sobald er wieder normal war und sich an Was-auch-immer zu erinnern vermochte. Dieses was-auch-immer schien ihn dazu verleiten zu wollen, es gedanklich weiter auszuschmücken.
Die Zeit bis zum ersten Morgengrauen verbrachte er damit, eines der Bücher durchzuackern und zu ersticken, indem er sich vorstellte, wie Filch und Hagrid Walzer tanzten.
Gerade noch rechtzeitig dachte er daran, die Bücher wieder ins Regal zu räumen und die Bibliothek zu verlassen, sich hinunter in den Kerker zu schleichen und in den Schlafsaal zu schlüpfen.
Lucius saß wach auf seinem Bett, die langen Beine baumeln lassend. Severus ignorierte ihn und seinen seltsamen Blick ganz einfach, rupfte ein weißes Hemd und eine weite Hose aus seiner Schublade und begann sich ganz ungeniert umzuziehen.
„Als ich aufgewacht bin, warst du nicht mehr da." Irgendwie klang Malfoys Stimme heute anderes als sonst. Die für einen Slytherin übliche Arroganz fehlte. „Wo warst du?"
„Spazieren." Warum fragte er überhaupt?
„Ach so." Snape knöpfte das Hemd zu, rekapitulierte jedoch vor den oberen beiden, die sich eigentlich nie schließen ließen.
„Gehst du heute auch nach Hogsmeade?"
„Nein, ich nutze die Ruhe, um zu lesen." Er nahm sich eines der Bücher, die er sich legal aus der Bibliothek geliehen hatte und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum.
Malfoy sah ihm nach, sprang dann vom Bett und betrachtete Snapes Bücher. „Zaubertränke…"
OoO
Wieder ein relativ kurzer und auch leicht inhaltsloser Teil. Langsam sollte ich damit beginnen, ein wenig Handlung einzubauen… Gut, möchte mich an der Stelle für das kleine Kompliment bedanken und mich bei allen HG x SS Fans entschuldigen. Ich hab nichts gegen euch persönlich (schließlich stehe ich mit meiner SS x SB Vorliebe auch allein auf weiter Flur und ihr seid aus irgendeinem Grunde äußerst zahlreich), aber dieses Pairing ist nun einmal…'Schulterzuck' Vielen Dank auch für die Kritik, kann ich immer gebrauchen.
Nach diesem wird es im Übrigen noch zwei – drei Teile geben (je nachdem, ob ich die beiden ersten zusammenlege oder nicht) von denen zwei bzw. einer schon geschrieben ist.
